Dienstag, 23. März 2010

Der Morgen danach

Muskelkater. Ich war mir gar nicht bewusst, dass ich an diesen Stellen überhaupt Muskeln habe. Und doch wachte ich heute morgen sehr zufrieden auf. Zwei Stunden tanzen. Eigene Choreographien erschaffen, vortanzen, weiterentwickeln.
Ich bin einer von knapp 50 Teilnehmern des diesjährigen 3. Tanzpädagogischen Projekt am Stadttheater Bern. 3 Monate haben wir Zeit Choreographien zu entwickeln und zu perfektionieren. Dann bringen wir sie zur Aufführung. Dreimal in den Vidmar Hallen, eingebettet in die Stücke der professionellen Tänzer. Wir, dass sind 50 Amateure. Menschen wie du und ich, die gerne tanzen, gerne mal tanzen wollen, oder einfach nur die Gelegenheit nutzen, etwas Winterspeck abzubauen (wie ich :)). Uns zur Seite stehen, neben Gabi Michel-Frei und Regula Bühler von der Theaterpädagogik, die das ganze Projekt organisieren, Joshua Monten, ehemaliger Tänzer des Bern:Ballett und jetzt freischaffender Choreograph und Tänzer.
Dies ist, nach „Kick me“ zur Fussball EM und Superheroes im letzten Jahr, schon sein drittes Tanzpädagogisches Projekt am Stadttheater Bern. Dabei sind ausserdem noch Tänzer und Tänzerinnen des Bern:Ballett, freigestellt von Cathy Marston, der künstlerischen Direktorin des Balletts.
Ein typisches Training läuft so ab:
Zuerst eine halbe Stunde Aufwärmtraining mit einem der Tänzer. Das reicht von Yoga-Sonnengruss, über Plié und Relevé und kombinierten Ballettschritten, bis hin zu „auf-dem-Boden-herumrollen, durch den Raum rennen und in die Luft springen".
Die Ersten (mich eingeschlossen) bekommen jetzt schon schwere Arme und fragen sich, ob das wirklich das Richtige ist, wenn sie zum zehnten Mal das Bein in die falsche Richtung abwinkeln. Doch Joshua und die anderen Tänzer geben uns das Gefühl, dass jeder kann, was er kann; nichts muss. Und wenn man sich nur bemüht und die Spannung hält, dann sieht es auch gar nicht so schlecht aus… Wie man im grossen Spiegel des Ballettsaals immer wieder überprüfen kann. Ich schliesse da gerne die Augen, vor dem Inneren Auge macht man sich nicht so leicht lächerlich. Oder ist das der Vogel-Strauss-Reflex? Wenn Ich nichts sehe, sehen mich die anderen auch nicht?
Doch das ist das Schönste am ganzen Projekt: Wir sind alle Amateure. Nichts ist lächerlich, weil alles echt ist. Und die Tänzer sind so aufmerksam, hilfsbereit und freundlich, dass es einfach Spass macht und ich vergesse völlig, dass ich mich soeben noch wie ein Wal fühlte.

Den Zweiten Teil übernimmt dann wieder Joshua:
„Ich habe gewaltige Gedanken gehabt. Ich möchte dass ihr euch weh tut, ohne euch weh zu tun. Es soll immer ein wenig schmerzhafter aussehen als es ist. Sucht euch jemanden, den ihr noch nicht so gut kennt und erarbeitet eine Choreographie mit ihm oder ihr.“
Wir sollen eine kleine Sequenz erfinden, die aus ca. 5 kurzen Gewalttaten besteht. Bei der sich niemand wehtut, es aber so aussieht. Und zwischendurch, oder am Anfang oder Ende, soll ein Blick zum Himmel stehen. Der kann lang sein oder kurz, einem imaginären Flugzeug folgen oder uns vor einem herabstürzenden Meteoriten weglaufen lassen.
Nach zehn Minuten führt jede Gruppe ihre Sequenz vor und Joshua gibt kurze Rückmeldung: was gut ist, was zu verbessern und was ganz wegzulassen ist.
Ich soll nicht so oft auf den Boden fallen. Das nimmt den Fluss aus der Bewegung. Wir arbeiten also weiter. Jetzt nur noch aufrecht und bauen auch noch einige Repetitionen ein.
„Durch Repetitionen erkennt man hinter einer zufälligen Bewegung die Handschrift des Choreographen“, so Joshua. Also gleich ans Werk und uns gelingt auch eine schöne Sequenz. Ich werde getreten, vier mal, und hebe immer wieder reflexartig mein Bein, dann das ganze umgekehrt und ich trete und verfolge.
Nach erneutem Vortanzen der Sequenzen holt uns Joshua zusammen und fügt aus drei Einzelteilen unserer Choreographien eine kurze Sequenz zusammen, die nun alle einstudieren. Erst ein Faustschlag ins Gesicht, dann ein Knie zum Kinn, dann vier Tritte (aus unserer Sequenz!) und dann den Kopf des Partners umdrehen und sich von ihm eine Ohrfeige verpassen lassen. Aua!
Doch das Ganze geht ohne Blessuren über die Bühne und damit sind wir auch schon am Ende des ersten Abends angelangt. Heute Abend ist Gruppe B an der Reihe und am Donnerstag kommen wir alle zusammen und proben gemeinsam weiter. Ich freue mich schon darauf!

1 Kommentar:

  1. Schade dass ich es verpasst habe! aber jetzt werde ich nicht mehr fehlen! Ich komme aus México...Veracruz, am Meer. Ich bin mit Musik und alle Art von tanzen aufgewachsen. Deshalb ist für mich dieses Projekt sehr wichtig.Und deshalb mache ich so viele Fehlers beim schreiben, sorry! :-) meine Muttersprache ist Spanisch! ...Ich bin einverstanden: das schönste daran ist, dass uns das tanzen, die liebe am tanzen und Bewegung verbinde...dass wir dort sein dürfen wie wir in wirklichkeit sind..und das beste ist, das absolut niemanden darüber lacht!
    Ich habe lezten Donnerstag extrem genossen, und ich freue mich schon auf morgen Abend!! :-) Ich bin gespant was auf uns morgen wartet, sicher hat Joshua wieder etwas ganz spannend vorbereitet, ach, heute darf der gruppe A tanzen, ich muss noch bis morgen warten...und schauen wir, was unseren Plié und Relevé morgen machen..ich freue mich auch schon darauf!!!

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